Liebeskummer. Es regnet. Ich bin traurig. Das Schreiben gibt mir die Möglichkeit, mich mit meinem Kummer zu befassen, mich um meine Liebe zu kümmern. Ich könnte auch raus gehen, auf Begegnungen hoffen, die mich meinen Kummer vergessen lassen, für den Augenblick, bis ich wieder alleine bin. Aufgeschobener Kummer. Vielleicht könnte ich ja meinen Kummer bis nach meinem Tod aufschieben. Dieser Gedanke erheitert selbst mich. Vielleicht sollte ich doch nach draußen gehen. Aber immer in der Hoffnung, einer Frau zu begegnen, die wie „die“ Blödfisch ist, ist so mühsam, mühsam wie die Suche der Nadel im Heuhaufen. Vielleicht sollte ich nicht nach der Nadel suchen, sondern mich durch den Heuhaufen wälzen, irgendwann wird sie mich schon stechen. Mein Sprung vom Obergeschoss der Scheune in die Heuberge am Boden, eine schöne Erinnerung aus meiner Kindheit. Wie anspruchslos wir oder zumindest ich doch bin? Beim Kauf eines Autos, eines Möbelstücks, von Kleidung wird gesucht und verglichen, abgewogen, verworfen. Und bei der Wahl des Partners, der allerwichtigsten Entscheidung überhaupt, überlassen wir es dem Zufall, und selbst der Zufall braucht dann noch die Vermittlung eines Dritten oder eine gelungene Ansprache, zumindest aber eine eindeutige Geste, ein Lachen, einen Blick. Warum hat mir ihre Gegenwart so gefallen? Lebt ihre Anziehung auf mich allein von der Unmöglichkeit, der Unerreichbarkeit ihrer Liebe. Ich habe nie voller Kummer an ein Haus am Meer, an ein Leben im Luxus gedacht. Diese materiellen Dinge waren mir nie unerreichbar, auch heute nicht, auch wenn sie unwahrscheinlich sind. Aber kein Haus am Meer, kein Fuhrpark mit den schönsten und teuersten Autos könnte mich von meinem Kummer befreien. Tausche Vermögen gegen deine Nähe. Tausche Unvermögen gegen deine Nähe. Mein ganzes Vermögen gegen deine Nähe, ein scheinbar dummer Tausch. Nein, denn deine Nähe macht mich reich an Ideen, reich an Kraft, reich an Lebensfreude, reich, die Schönheiten des Lebens zu sehen, befähigt mich, das getauschte Vermögen um ein Vielfaches zu mehren. Was ist das an dir, dass mich so erfüllt? Es ist nicht das unbefriedigte sexuelle Verlangen in mir, meine Geilheit, meine Begierde, mein unbefriedigter Trieb, die mich bekümmern, weswegen ich mir deine Nähe wünsche. Ja, ich will ehrlich sein, denn die Erinnerung an die Frau in den Dünen auf Norderney ist nach so langer Zeit noch immer nicht vergessen, eine Begegnung mit ihr oder so manch anderer nicht gelebter Erinnerung könnte meine Sehnsucht nach dir, meinen Liebeskummer schon mindern. Und doch. Wichtiger als das Wissen, was man kann, ist das Wissen, was man nicht kann. Und ich kann halt keinen Sex ohne Liebe. Es macht mich leer. Er ließ mich weinen, traurig sein, mich erinnern an meine verstorbene Frau. Kein Sex als Heilmittel. Sex nur, wenn sie die Mutter meines Kindes sein könnte. Ein guter Leitspruch. Allein der Gedanke, du könntest die Mutter meines Kindes sein, muss mir gefallen. Und dafür braucht es mehr als deine Weiblichkeit, die unbeschränkte Lust auf jedes Körperteil, dafür braucht es dich, weil du mir die Tür zu meinem Leben öffnest, zu meinem wahren Leben, du lässt mich sein, du machst mich glücklich, wäre da nicht der bedeutende Zustand, dass du einen anderen Mann liebst. Sei eine Freundin und kümmere dich um meinen Kummer. Nein, das kann ich nicht von dir erwarten. Aber ich will es dir gesagt haben. Nur gesagt haben. Du weißt, ich würde dich nie fragen, auch wenn ich meine Sehnsucht nach dir und dem wie du bist, mit in den Tod nehmen müsste. Es hat aufgehört zu regnen.

Kategorien: Musik

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